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Denk mal! Im Juni 2026...
„ Ein jegliches hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. (Prediger 3, 1 )
Liebe Gemeinde,
wenn Sie diesen Gemeindegruß aufschlagen, wird es schon Sommer sein. Jede Jahreszeit hat ihre Stärken, aber der Sommer mit dem frühen Licht und den langen hellen Abenden, mit Eiscreme, Grillen im Freien und luftiger Kleidung sticht schon besonders heraus. In Skandinavien feiern die Menschen an Midsommar ja sogar, dass es rund um die Uhr hell bleibt. Der Rhythmus von Tag und Nacht ist beinahe ausgesetzt. Ich stelle mir vor, dass diese Sommertage im Juni dort etwas Schwebendes an sich haben. Wer sie in einer schönen festlichen Runde mit anderen zusammen verbringt, für den fühlt es sich vielleicht an wie ein Moment, der nicht vergehen soll. Es ist ganz menschlich: Gutes soll möglichst lange anhalten.
„Ein jegliches hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“
schreibt der Prediger aus der ganzen Fülle seiner Lebensweisheit. Er benennt damit zwei Aspekte auf einmal: zum einen das Wunder des Lebens, in dem unzählige Dinge ihren Platz finden - Geburt und Tod, Nähe und Distanz, Bauen und Abreißen. Zum anderen die Tatsache, dass jedes davon begrenzt wird, das Schöne wie das Schreckliche. Alles hat einmal ein Ende. Und so gerne wir möchten, dass zum Beispiel Frieden, Freude, Gesundheit und Verbundenheit für immer währen, es hat schon etwas Gutes, dass alles einmal vorbeigeht. Denn sonst hätten ja auch ganz furchtbare oder uns nur anödende Dinge die Chance, sich für immer und ewig zu halten. Und bei dem, was uns beglückt, da ist die Einsicht in die Begrenztheit jedes Lebens, ja sogar jedes Tages, sehr hilfreich, damit wir zu schätzen wissen, was uns da gegeben ist: Dieser Tag, dieser Moment, nicht belanglos oder austauschbar, sondern eine Kostbarkeit, ein Geschenk von Gott an mich.
„Ein jegliches hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“
Dieser Vers spricht mich gerade auch ganz persönlich an. Kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand bin ich ja selbst in einem Übergang. Die aktive Tätigkeit als Pfarrerin endet. Wie wird das nach dem Sommer sein, so ganz frei von allen pfarramtlichen Verpflichtungen?
Ich kann es mir noch nicht wirklich vorstellen. Irgendwie freue ich mich auf die Entlastung und habe Ideen, was ich mit der neuen Freiheit tun möchte. Zugleich aber ahne ich schon, wer und was mir dann alles fehlen wird.
Und es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist, seit ich im November 2013 die vakante halbe Stelle übernommen habe, die es neben der vollen 1. Pfarrstelle gab. Und wie jung wir beide, meine Kollegin Yvonne Brunk und ich, noch aussahen auf dem ersten gemeinsamen Foto vor der blauen Tür der Johanneskirche. Sie natürlich deutlich jünger als ich!
In den folgenden Jahren haben wir viel miteinander erlebt, Sie, liebe Kerpener & Kerpenerinnen, und ich. Gespräche auf der Bank, Ausflüge und Feste, Gottesdienste an ganz gewöhnlichen Sonntagen und große Jubiläen und Projekte. Manches entstand überraschend aus der Situation und war zeitlich begrenzt, so wie der Glaubenskurs mit geflüchteten Menschen, vorwiegend Iranerinnen und Iranern, die in der Boelcke-Kaserne untergebracht waren, zu dem wir uns über ein Jahr lang regelmäßig trafen.
Oder auch die intensive Gesprächsreihe „Leben mit Demenz“, die wir zweimal im Gemeindehaus durchführten. Das meiste aber lief durchgehend, auch als ich ab 2021 den Stellenumfang auf 25 % reduzierte. Seniorenarbeit und Diakonie waren meine Schwerpunktaufgaben und haben meinen Blick sehr erweitert. Gerade durch ältere Menschen kann man ungeheuer viel lernen: Humor, Widerständigkeit, die Fähigkeit, Schweres zu tragen und sich auf Veränderungen einzustellen. Dass Sie Ihre Zeit, Ihre Erfahrungen, Ihre Gedanken mit mir geteilt haben, liebe Seniorinnen und Senioren, das bedeutet mir viel. Ich hoffe, unsere gemeinsamen Stunden haben Ihnen ebenso viel Freude gemacht wie mir! Im Übrigen finde ich: Ältere Menschen werden einfach unterschätzt!
„Ein jegliches hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“
Ich darf auf 13 Jahre als Pfarrerin in Ihrer Gemeinde zurückblicken. Anfangs war es nicht leicht für mich, die Ansprüche aus zwei Gemeinden unter einen Hut zu bringen, aber das vertrauensvolle Miteinander mit Pfarrerin Dr. Brunk und mit dem Presbyterium hat es mir leicht gemacht, sodass mir die 13 Kilometer zwischen Kerpen und Frechen im Lauf der Jahre immer kürzer erschienen sind.
In dieser Kirchengemeinde fällt mir als etwas Besonderes auf, dass es hier so herzliche und zugewandte Menschen gibt. Menschen, die gerne und großzügig schenken. Die ein feines Sensorium dafür haben, wenn es jemandem nicht gut geht. Und die dann helfen, ganz unbürokratisch und ohne es an die große Glocke zu hängen. Gut finde ich auch, wie besonnen und strukturiert das Presbyterium mit Frau Dr. Brunk an der Weiterentwicklung der Gemeinde arbeitet. Wenn etwas seine Zeit gehabt hat, dann braucht es den Mut, sich z. B. von einem Arbeitsfeld zu trennen. Man soll sich aber nicht von außen drängen lassen, wenn man spürt, dass die Zeit nicht reif ist für einen solchen Schritt.
Der Prediger lehrt uns: Nicht wir selbst sind es, die der Zeit ihren Sinn geben und bestimmen, was wann das Richtige ist. Das ist Gott selbst. Manchmal verstehen wir ihn, oft aber auch nicht. So gehört zum Glauben eben immer auch das Suchen und geduldige Warten: Was ist jetzt dran?
Doch hat Gott auch die feste Absicht, dass wir fröhlich sein können bei allen Mühen. Ich konnte oft mit Ihnen fröhlich sein. Dafür danke ich von Herzen und wünsche Ihnen jetzt erst einmal noch viele schöne, helle, lange Sommertage!
Ihre Pfarrerin Almuth Koch-Torjuul
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