Text Andacht                     

Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis am 14.6.2020
Gedanken zu Apg 4, 32-37 „Sie hatten alles gemeinsam“

Liebe Gemeinde, „die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele“, so heißt es in der Apostelgeschichte.

Das drückt einen Idealzustand aus. „Ein Herz und eine Seele“ – Das kommt nur selten vor:  bei Menschen, die sich lieben, bei wahren Freunden, bei Geschwistern.

Worin äußerte sich bei den ersten Christen, dass sie ein Herz und eine Seele waren?
Die Bibel sagt: „Es war ihnen alles gemeinsam, keiner war unter ihnen, der Mangel hatte.
Wer Häuser hatte, verkaufte sie und legte das Geld den Aposteln zu Füßen.
Und man gab einem jedem, was er nötig hatte.“

Thomas Morus, Zeitgenosse Martin Luthers, beschrieb einen ähnlichen Idealzustand in seinem berühmten Buch „Utopia“. Utopia ist ein Ort, den es nicht gibt, der aber vorgestellt wird als eine Insel, auf der ein ideales Gemeinwesen existiert. Auf dieser Insel gibt es kein Geld, keinen Privatbesitz, keine Ungleichheit unter den Menschen.
Es gibt keine Armen und Bettler mehr. Alle Güter werden je nach Bedarf verteilt.
Allerdings ist die soziale Gerechtigkeit durch harten Zwang erkauft.
Es gibt umfassende Kontrollen, Lebensweisen, die allen vorgeschrieben werden, Strafen bei Nichtbefolgung. Utopia kennt keine Armen mehr, kein Elend, keine Selbstbereicherung.
Aber man zahlte dafür mit einem großen Stück Freiheit.

So ähnlich ist es Jahrhunderte später im Sozialismus tatsächlich eingetreten.
Der Preis für die soziale Gleichheit im Ganzen war die Entmündigung der Einzelnen.
Und bis heute ist es eine wichtige Frage in der politischen Diskussion:
Wie viel Einschränkung darf sein, um des guten Zweckes willen, und wie viel Freiheit muss erhalten bleiben?

Eines ist klar: Wenn es in der Apostelgeschichte heißt, sie waren „ein Herz und eine Seele“,
dann teilten und gaben die Gläubigen nicht aufgrund von äußerem Zwang.
Sie taten es aus freien Stücken. Ihre Freiwilligkeit geht weit über das hinaus, was staatlicher Zwang bewirken kann.
Der Staat kann einen anweisen, dem Nächsten nicht zu schaden, und ein Minimum an Gerechtigkeit und Teilhabe mitzutragen, z.B. durch die Steuern. Aber Nächstenliebe ist mehr.

Die Insel Utopia des Thomas Morus ist kein guter Ort, denn dort herrscht der Zwang.
Die Utopie aber, die Vorstellung von einem neuen, besseren Leben, ist unverzichtbar.
Sie führt uns vor Augen, dass Verhältnisse nicht für ewig feststehen, sondern veränderbar sind. Sie entwirft neue Ideen, motiviert und macht Hoffnung.

Unsere christlichen Utopien, das sind Nächstenliebe, Frieden, und dass alle Menschen das Lebensnotwendige haben sollen.
In der Wirklichkeit sind sie nur teilweise verwirklicht. Abfinden sollen wir uns damit nicht.

Für Jesus stand die Verbesserung der sozialen Verhältnisse im Zentrum seiner Botschaft.
Das fängt schon mit dem prophetischen Berufungswort an, das Jesus für sich übernimmt:
„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen.“  
Jesus verordnet nichts, aber er fordert jeden Einzelnen zu einer Entscheidung auf.
Dabei setzt er im Innern der Menschen an: Bei unserem Misstrauen und unserer Angst.

Etwas abzugeben für andere, das ist ja immer ein Risiko.
Das Risiko ist, dass ich nicht weiß, ob mir selber genug bleibt.
Und wird auch für mich einer da sein, wenn ich mal was brauche?

Für Jesus ist Gottvertrauen die Basis dafür, dass wir gelassener werden.
Warum nicht teilen, wenn die Gaben uns allen vom Schöpfer zugeeignet werden?
Warum die Sicherheit im Besitz suchen, wenn wir doch bei Gott geborgen sind?

Die frühen Christen, von denen die Apostelgeschichte berichtet, besaßen ein kraftvolles Vertrauen. Anscheinend hatten sie die Angst, zu kurz zu kommen, verloren
Anscheinend waren sie zuversichtlich, dass sie von allem Nötigen genug haben würden.
Darum konnten sie ein Risiko eingehen.

Nach ihrem Vorbild hat der christliche Glaube dann eine Menge Gutes bewirkt:
Er hat Krankenhäuser, Hospize, Kollekten, Armenspeisungen hervorgebracht.
Er hat ein soziales Gewissen auch in der Allgemeinheit hervorgebracht.

Wie ist es bei uns? Es gibt echte Hilfsbereitschaft. Menschen spenden, und zwar nicht nur die Begüterten. Die Diakoniesammlung hier in Kerpen zeigt es jedes Jahr, das sehen wir ganz dankbar!

Solidarität wie in der Urgemeinde ist trotzdem mehr Traum als Wirklichkeit.
Weltweit gibt es großes Elend. Und bei uns, wo die Unterschiede nicht ganz so krass sind,
leben die Begüterte und die Bedürftigen in ganz unterschiedlichen Welten,
selbst, wenn nur ein Straßenzug sie voneinander trennt.

Da ist jedes Miteinander-Teilen, das wir versuchen, vielleicht erstmal nur ein Zeichen.
Aber immerhin: Es gibt diese Zeichen. Es gibt die Idee, dass es auch anders geht.
Und es gibt die Erinnerung, dass sie manchmal schon Gestalt angenommen hat.
Das Vorbild der Apostelgeschichte leuchtet zu uns herüber mit der Kraft der Utopie.
Beten wir, dass der Funke überspringt, immer neu. Amen.

 

Christus, du vergibst Schuld und befreist uns
zu einem Leben in Frieden und Solidarität..
Wir bitten dich:
Hilf uns, die Not unserer Nächsten zu sehen und ihnen beizustehen.
Hilf uns, solidarisch zu sein und miteinander zu teilen.
Gib uns die Kraft, loslassen zu können, in dem Vertrauen,
dass Du uns hältst und versorgen wirst,
auch wenn wir etwas abgeben.
Lass den Geist der Nächstenliebe unser ganzes Gemeinwesen durchdringen.
Hilf den Menschen an allen Orten,
Not zu lindern und die Ärmsten im Blick zu behalten.

Amen.

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