Denk mal! Im Dezember 2022...

„Den Geist löscht nicht aus. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft alles und das Gute behaltet.“ (1.Thess.5,19-21)

Liebe Gemeinde,

schon die alten Griechen wussten, dass „alles fließt“ und meinten damit, die wichtige Einsicht, dass alle Dinge in Bewegung sind, „im Fluss“, wie wir heute noch sagen. Veränderungen gehören untrennbar zu unserem menschlichen Leben dazu. Das sehen wir an allen Orten unseres Lebens: Gerade waren die Kinder noch klein, die ersten Schritte und Worte versetzten uns in Entzücken und schon streben sie auf das Abitur und die Selbständigkeit zu. Wo ist die Zeit geblieben?

Die Zeit bringt Veränderung mit sich.

Einsichten, die gerade noch neu und spektakulär waren, werden zur selbstverständlichen Nebensächlichkeit. Technische Neuerungen und die damit verbundenen Möglichkeiten überholen sich in immer kürzeren Abständen. Die Spirale dreht sich schneller und schneller.

Was heute top ist, ist morgen ein alter Hut. Und das Versprechen eines Norbert Blüm, der als Minister strahlend in die Kamera sagte: „Die Renten sind sicher!“, lockt den Menschen heute nur ein müdes und mitleidiges Lächeln ins Gesicht. Ach, wenn es doch so wäre.

Aber alles ist in Bewegung. Fakten bekommen plötzlich ein alternatives Pendant. Eigenartig! „Alternative Fakten“ hätte man vor wenigen Jahren noch als Unwahrheiten und moralisch verwerflich an den Pranger gestellt. Heute nutzt sie, wer mag und skrupellos genug ist.

Beispiele brauche ich nicht aufzulisten, denn Sie kennen die Damen und Herren aus Politik und Wirtschaft, die so daherreden zur Genüge. Die Geistlosigkeit ihrer Rede liegt offen zutage.

„Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“, weiß der Volksmund im alten Europa zu sagen, doch in manchen Teilen unserer Welt müsste man eine Privatrakete bemühen, um sein Leben zu retten.

Und so bleiben sie auf der Strecke, die Wahrheit, die aufrichtige Rede, die Orientierung für die Menschen sein könnte. Wo sind echte Vorbilder für unsere Jugend? An wem können sie sich abarbeiten mit ihrem Wunsch nach Diskussion und echtem Verstehen und nach dem, was Relevanz für ihr Leben hat. Alles fließt, das ist schon richtig, aber es darf nicht in die Belanglosigkeitsfalle führen.

Obgleich ich das Thema nur kurz anreiße, werden sie seine Komplexität vor Augen haben. Und eigentlich wäre es zum Verzweifeln, wenn wir nicht von Christus her einen Gegenentwurf hätten. Die Jugend würde in diesem Zusammenhang sagen: „voll krasser“ Gegenentwurf.

So problematisch mir diese Ausdrucksweise erscheint, in ihrem Kern steckt eine hohe Anerkennung, ja eine Hochachtung. Jesus ist in dieser Welt so abgrundtief  und zugleich so himmelhoch anders als alles, was wir uns vorstellen können. An ihm gewinnt die Rede des Schweizer Theologen Karl Barth, der von Gott als dem ganz anderen zu sprechen pflegte, ein Gesicht. Es ist ein menschliches Gesicht, das Mitleid kannte und ein göttliches Gesicht, das von Barmherzigkeit zeugt. Es ist ein freundliches Gesicht, das Vergebung und Heilung bereitet, und ein Gesicht voller Erwartung, das uns zur Antwort drängt auf die Frage: „Was sagst Du, wer ich bin? Was und wer bin ich für Dich?“

Alles fließt. Im Laufe unseres Lebens ändern sich auch unser Gottesbild und unsere Vorstellung von Jesus. Was sich aber nicht ändern sollte, ist die Offenheit und Bereitschaft der Gemeinde, sich den Fragen des Glaubens zu stellen, Zeit und manchmal auch Mühe aufzubringen, um herauszufinden, was hinter den alten Worten der Bibel steht.

„Den Geist löscht nicht aus. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft alles und das Gute behaltet.“ (1.Thess.5,19-21)

Prüft alles, ob es Bestand hat, und nur das Gute behaltet. Dieser Rat, den Paulus der jungen Gemeinde gibt, trifft noch heute. Wir sollen prüfen, gewissenhaft und nur das Gute behalten. Ich überlasse es Ihrer Phantasie, den Berg der Sinnangebote, Worthülsen und Nichtigkeiten vor ihrem inneren Auge zu sichten, den wir nicht behalten müssen. Weg mit dem, was uns belastet, einengt und krank macht. Weg mit dem, was an Ungutem Besitz von uns ergreifen will. „Prüft alles und das Gute behaltet.“ Das Beste im Leben bekommt man geschenkt.

Ja, das ist wohl so, Gottes Liebe und seine Gnade sind Geschenke an uns. Und an Weihnachten gewinnen sie ein konkretes Gesicht für uns in seinem Sohn.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Ihre Pfarrerin Dr. Yvonne Brunk

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