Eine kleine Kostbarkeit

Die Orgel der Johanneskirche

Wie die im Inneren der Windlade verbliebene Inschrift ausweist, wurde die kleine Orgel in der Evangelischen Kirche zu Kerpen erbaut von

„Ehrenfried Leichel Orgelbauer in Emmerich".

Die mit Tinte auf Papier geschriebene Inschrift befindet sich innerhalb des Windkastens. Bei der ersten Besichtigung konnten der Orgelsachverständige und der Orgelbaumeister die Signatur nur mit Hilfe eines Spiegels entziffern, inzwischen war während der Renovierungsarbeiten auch die dort angegebene Jahreszahl deutlich zu lesen:

1859

Seit damals wurden viele Arbeiten am Instrument durchgeführt. Dem jeweiligen Zeitgeschmack folgend, wurde die Orgel  orgelsowohl klanglich als auch technisch so umfangreich verändert, dass zumindest im konstruktiven Bereich keine exakte Rekonstruktion mehr möglich ist. Die wenigen Hinweise durch Schraubenbohrungen in den Gehäusewänden reichen dafür nicht aus.

Dennoch sind wesentliche Bauteile noch der Bauzeit zuzuordnen und damit historisch äußerst wertvoll, vor allem aufgrund der Tatsache, dass dies das einzig verbliebene, nachweisbare Instrument aus der Werkstatt Leichel zu sein scheint. Bauzeitlichen Alters sind das Gehäuse, die Windlade mit der Manualklaviatur und die meisten Pfeifen.

Im Vordergrund der jetzt durchgeführten Restaurierung stand selbstverständlich der Erhalt der historischen Substanz der vorhandenen Bauteile und eine mögliche Annäherung an die bauzeitliche Klanggestalt. Der langjährige Gebrauch der Orgel machte außerdem die Wiederherstellung einer ausreichend guten Spielbarkeit durch Ersatz von Verschleißteilen wie Leder und Filz und eine gründliche Bearbeitung der Trakturen notwendig.

Bereits bei früheren Umbauten war versucht worden, das für die Größe des Kirchenraums etwas dürftige Klangvolumen der Leichel-Orgel durch Hinzufügung eines so genannten „angehängten Pedals" (d. h. eine eigene Klaviatur für das Spiel mit den Füßen, aber ohne eigenes Pfeifenwerk) aufzuwerten. Die mechanischen Verbindungen wurden damals mit modernen Materialien ausgeführt und die alte Windlade erweitert. Ein Teil des Pfeifenwerks wurde im Bassbereich durch neue Pfeifen (Sordun) ersetzt, um ein Pedalwerk vorzutäuschen. Leider war das Klangergebnis nie zufriedenstellend, das verwendete Material minderwertig und das „neue" Register kaum musikalisch brauchbar. So musste auch hier eine Lösung gefunden werden, welche auf der einen Seite das Instrument bereichern würde und für das Orgelspiel nach kirchenmusikalischen Anforderungen wichtig wäre, auf der anderen Seite sich jedoch harmonisch in das bereits bestehende Instrument einfügt, ohne als Zusatz oder Fremdkörper zu wirken.

In diesem Fall entschieden sich alle Beteiligten für die Erweiterung der Disposition um einen Subbass 16', ein Register aus Holzpfeifen, welches eigenständig spielbar sein sollte. Aus Platzgründen sollte dieses Register jedoch nicht außerhalb des Instruments zusätzlich den Raum auf der Empore einengen. Um die Klangabstrahlung von der Empore herunter in den Kirchenraum zu verbessern, wurde nun  ein neues Orgelpodest aus massivem, langlebigem Eichenholz hergestellt, welches nicht nur höher als das alte war, sondern gleichzeitig die zwölf größten Pfeifen des Subbass, den stärkeren Orgelmotor, den neuen Magazinbalg und die neue notwendige Pedallade im Inneren aufnehmen konnte.

Von vorne nicht sichtbar stehen hinter der Orgel nur die restlichen kleineren Holzpfeifen. Das Instrument wurde also optisch, aber vor allem auch klanglich aufgewertet. Anstelle des unbrauchbaren Sorduns wurde die historische Flöte 8' in gleicher Bauart bis zum cº herab rekonstruiert, sodass nun ein weiteres (fast) vollständiges 8'-Register neben dem Gedeckt 8' zur Verfügung steht, wie es wohl auch die historische Situation gewesen sein mag. Auch der Klang der einzelnen Pfeifen wurde durch eine Nachintonation wieder auf eine „gesunde" Aussprache hin verändert - bei vergangenen Bearbeitungen wurden die Pfeifen leider eher zu leise intoniert, sodass die Register dabei auch ihren individuellen Charakter teilweise eingebüßt hatten.

Viele Detailarbeiten im technischen Bereich waren notwendig, um nun wieder eine dauerhafte Funktionssicherheit gewährleisten zu können, immer unter dem Aspekt, historisch passende Materialien und Konstruktionsweisen einzusetzen:

  • die Gängigkeit und Dichtigkeit der Schleifen wurde verbessert durch den Wegfall von Teleskophülsen aus Kunststoff und den Einsatz von Scheifendichtungen aus Filz; die neuen Dämme wurden aus Eiche gefertigt: die Schleifenanschläge durch Messingstifte ersetzt;
  • alle Dichtungsleder wurden erneuert, historische Schrauben entrostet und wiederverwendet;
  • für die notwendige neue Pedalkoppelmechanik wurden nur Wippen und Winkel aus Holz hergestellt - da die vorhandenen, unpassenden Teile aus jüngeren Renovierungen stammten, bedeutete deren Ersatz keinen Eingriff in die historische Substanz;

die aufwändigen Arbeiten führten bis hin zu rein optischen Verbesserungen, wie der Ersatz der Glasscheibe des Firmenschilds, der Erneuerung eines Tastenbelages aus Knochen, der Erneuerung der Registerschildchen aus handbeschriftetem Porzellan und der sehr schwierigen und kostenintensiven Erneuerung der Prospektpfeifen-Oberflächen mittels polierter Zinnfolie;  

  • durch den Einsatz einer transparenten Scheibe als Notenbrett vor dem Prospekt kommen nun alle restaurierten Pfeifen und der gesamte Orgelprospekt wesentlich besser zur Geltung.

Die hier aufgezählten Leistungen beschreiben nur einen Teil der notwendigen und umfangreichen Arbeiten, welche die Orgelbauer in der Kirkeler Werkstatt und in der Kerpener Kirche durchführen mussten.

Nach ihrerRestaurierung steht die Orgel nun wieder in der Kerpener Johanneskirche in neuem, altem Glanz sichtbar und in neuem, altem Klang hörbar.

Zum Dienst in der Kirchengemeinde für freudige und traurige Anlässe, zur Erbauung bei Konzerten und zur Unterstützung des Kirchengesangs. Mögen die Besucher und Hörer ihre Freude am Instrument finden!

Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bedankt sich Ihr Orgelbau-Team aus Kirkel:

Orgelbauauszubildender Heiko Schwingel
OrgelbauerInnen Alexandra Koch Christian Jäger
Orgelbaumeister Peter Maria Ohlert

 

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